Paul's Blog

Die Perfektionismus-Falle, wenn technische Tiefe zum Problem wird

Geschrieben von Paul Vorsmann | 19.02.2026 23:00:00

Kann man eigentlich zu gut vorbereitet sein?

Die spontane Antwort ist: Nein, natürlich nicht. Aber ich habe gelernt, dass das nicht stimmt.

Wenn du aus einer technischen Welt kommst, hast du eine natürliche Tendenz: Du willst jedes Detail verstehen. Jede Frage beantworten können. Jede Anforderung lösen.

Und wenn auf der anderen Seite auch technische Leute sitzen, passiert etwas Gefährliches: Ihr geht gemeinsam in die Tiefe.

Feature für Feature. Detail für Detail. Wie funktioniert diese eine Automatisierung? Kann man dieses Feld so konfigurieren? Was passiert in diesem Edge Case?

Das fühlt sich produktiv an. Beide Seiten sind engagiert, die Fragen sind konkret, die Diskussion ist fachlich.

Aber was dabei verloren geht: der Blick für das Ganze.

Die Frage ist nicht: Kann das Tool diesen einen Prozess abbilden?

Die Frage ist: Macht dieser Prozess überhaupt noch Sinn?

Ich sehe es bei Kunden ständig. Sie versuchen, ihre aktuellen Abläufe eins zu eins in ein neues System zu übertragen. Jede Ausnahme, jeder Sonderfall, jedes historisch gewachsene Workaround.

Das wird nie funktionieren. Bei keinem System.

Nicht weil die Systeme schlecht sind. Sondern weil sich Anforderungen ändern. Was heute perfekt passt, passt in sechs Monaten nicht mehr.

Die bessere Frage ist immer: Was ist das Ergebnis, das ich erzielen will? Nicht: Wie bilde ich meinen aktuellen Prozess ab?

Vielleicht führt ein ganz anderer Weg zum gleichen Ergebnis. Oder sogar zu einem besseren.

Perfektionismus im Detail ist ein Qualitätsmerkmal. Aber im falschen Moment ist es eine Falle.

Und erkennen, wann man einen Schritt zurücktreten muss, das ist der schwierigste Skill. Nicht nur für Kunden. Auch für mich.